“Virtualisierung im Hinblick auf Umwelt und Wirtschaftlichkeit”

ACT-Berater Christian Sturm im Interview

Virtualisierungstechniken für Betriebssysteme, Netzwerke und Storagekomponenten finden aufgrund ihrer Effizienz im Hinblick auf Umwelt und Wirtschaftlichkeit immer mehr Akzeptanz. ACT-Mitarbeiter Christian Sturm ist themenverantwortlicher Berater auf dem Gebiet der Betriebssystem-Virtualisierung und momentan an der Realisierung von Virtualisierungstechniken in einem großen Rechenzentrum beteiligt.

act-online: Umweltfreundliche IT durch Virtualisierung. Was bedeutet das?

Christian Sturm: Der Energieverbrauch ist heute ein kritisches Problem für viele Unternehmen. Branchenanalysten schätzen, dass die meisten Rechenzentren in den kommenden fünf Jahren so viel für Stromversorgung und Kühlung ausgeben wie für die Hardware-Infrastruktur. Der Einsatz von Virtualisierungstechnologie bietet Energieeinsparungen durch weniger Server-Wildwuchs und bessere Auslastung.

act-online: Wie wird das erreicht?

Christian Sturm: Die wirtschaftlichen Vorteile der Virtualisierung zeigen sich insbesondere in der einfacheren Administration der Systeme und dem deutlich geringeren Stromverbrauch. Die Administration vereinfacht sich zum einen durch die nach der Virtualisierung geringere Anzahl der Systeme, zum anderen durch die Tatsache, dass die Administratoren dann auf allen Systemen die gleichen Nutzungsoberflächen vorfinden. Der Stromverbrauch reduziert sich, da im Allgemeinen einige Server vollständig abgeschaltet werden können und gleichzeitig für diese Systeme auch keine Kühlleistung und Netzwerkinfrastruktur mehr benötigt wird. Ein positiver Nebeneffekt für das Unternehmen ist, dass es in seinem Rechenzentrum weniger Platz benötigt und gegebenenfalls teure Service-Verträge auslaufen können.

act-online: Um diesen Zustand zu erreichen, muss aber zunächst investiert werden. Lohnen sich die Bemühungen?

Christian Sturm: Demgegenüber stehen natürlich Software- und Maintenance-Kosten für die entsprechende Virtualisierungslösung, sowie die Projektkosten für die Implementierung der Technologie und die Umstellung des Rechenzentrums. Insgesamt kann man aber sagen, dass Unternehmen durch Investitionen in Virtualisierung die Betriebskosten ihrer IT-Infrastruktur signifikant senken können.

act-online: Also müssen sich die Unternehmen in Zukunft nicht mehr zwischen Umsatz und Umwelt entscheiden?

Christian Sturm: Mithilfe von Virtualisierung ist es möglich, den Energieverbrauch um bis zu 80 oder sogar 90% zu verringern. Bei den meisten aktuellen Servern werden durchschnittlich nur 15 bis 25% der verfügbaren Ressourcen genutzt. Dabei benötigt die x86-Hardware selbst im Leerlauf 60-90% der Energie, die für den Normalbetrieb erforderlich ist. Der Einsatz von Virtualisierungstechnologie bietet erweiterte Management-Funktionen für Ressourcen wie CPU und Arbeitsspeicher, mit denen ein Konsolidierungsverhältnis von 15:1 oder mehr erzielt werden kann. Auf diese Weise lässt sich die Hardware-Auslastung auf bis zu 85% steigern. Die Virtualisierung wirkt sich somit nicht nur auf das Geschäftsergebnis des Unternehmens positiv aus, sondern auch auf die Umwelt.

act-online: In welchen Umgebungen ist Virtualisierung denn überhaupt sinnvoll?

Christian Sturm: Prinzipiell kommt Virtualisierung für die meisten Systeme in Frage. Falls Echtzeit-Anwendungen vorhanden sind, sollte allerdings eine genaue Analyse durchgeführt werden wenn diese eine I/O-Last erzeugen, die auch aktuelle, leistungsstarke Hardware an ihre Grenzen bringt. Aber auch für den Fall, dass eine Konsolidierung dann nicht möglich wäre, würden die generellen Vorteile wie Hochverfügbarkeit und Hardware-Unabhängigkeit für den Einsatz einer Virtualisierungslösung sprechen. Insgesamt sind die möglichen Risiken grundsätzlich geringer als ohne Virtualisierung.

act-online: Sie sind an der Realisierung von Virtualisierungstechniken in einem großen Rechenzentrum beteiligt. Was soll hier umgesetzt werden?

Christian Sturm: Das Ziel des aktuellen Projektes ist die Ersterneuerung von über 1000 Servern. Der Kunde betreibt eine heterogene auf ganz Deutschland verteilte Serverlandschaft mit verschiedenen Windows- und Linux-Versionen, die in verschiedenen DV-Verfahren die Basis für unterschiedliche Services bereitstellen. Dabei ist im Rahmen der Ersterneuerung eine Konsolidierung sowie eine Zentralisierung auf drei strategische Rechenzentren durchzuführen. Als Basis für diese Aufgabe wurden die Virtualisierungsprodukte der Firma VMware ausgewählt.

act-online: Wo liegen Ihre Aufgabenschwerpunkte im Projekt?

Christian Sturm: Ich arbeite in diesem Projekt im Team der “Ersterneuerung”. Hier gilt es zu analysieren, wie die physischen Server virtualisiert und in die drei Hauptrechenzentren zentralisiert werden können. Ein Hauptaugenmerk wird darauf gelegt, die Server im Zuge der Virtualisierung auf standardisierte Betriebssystemplattformen und Software zu migrieren und hier eventuelle Stolpersteine während der Analyse aufzudecken. Nach abgeschlossener Analyse wird dann ein Konzept entwickelt, wie die einzelnen physischen Server virtualisiert und in die Zielumgebung überführt werden können, welches dann nach einer Test- und Integrationsphase schließlich umgesetzt wird.

act-online: Was ist Voraussetzung für eine praktische Umsetzung von der Analyse bis zum Betrieb?

Christian Sturm: Bei Virtualisierungsprojekten ist vor allem eine perfekte Vorbereitung wichtig, um Strukturen und Applikationen vorher zu identifizieren, und diese möglichst gut auf die virtuellen Infrastrukturen zu migrieren. Dazu zählen auch die vorhandenen Parameter der Systemlandschaft sowie die künftige Entwicklung in der IT und des Unternehmens selbst. Zudem sind Themen wie Management und Ausbaufähigkeit wichtige Faktoren eines solchen Projekts. Die größte Herausforderung besteht darin, ein stimmiges Design der sich ändernden IT-Prozesse auf die neue Infrastruktur zu übertragen. Meist wachsen die virtualisierten Systemlandschaften sehr schnell. Dies sollte das Konzept ebenfalls berücksichtigen. Im aktuellen Projekt findet die praktische Umsetzung in drei Phasen statt. In der ersten Phase werden die zu migrierenden DV-Verfahren und die betroffenen Systeme einer detaillierten technischen Analyse unterzogen. Im Anschluss daran wird in der zweiten Phase eine auf das jeweilige Verfahren abgestimmte Detailplanung durchgeführt. In der dritten Phase wird die Virtualisierung der Server dann schließlich umgesetzt.

act-online: Durch die virtuelle Bereitstellung eines Rechners kann eine schnellere Bedarfsdeckung erreicht werden. Haben Sie hierzu ein praktisches Beispiel?

Virtualisierung eröffnet neue Möglichkeiten zum Managen der IT-Infrastruktur und kann IT-Administratoren Zeit für repetitive Aufgaben ersparen, beispielsweise für Bereitstellung, Konfiguration, Überwachung und Wartung. Sollen neue Dienste bereitgestellt werden, müssen dafür auch entsprechende Umgebungen mit entsprechender Hardware zur Verfügung gestellt werden. Über das Management einer virtuellen Infrastruktur können solche Ressourcen sofort bereitgestellt und an die Applikation angepasst werden.
Im aktuellen Projekt musste für ein DV-Verfahren eine große Anzahl fast identischer Systeme konfiguriert werden. Durch den Einsatz eines Templates, welches neben dem konfigurierten Betriebssystem bereits erforderliche zusätzliche Software, Treiber, Management-Agents und betriebsrelevante Konfigurationen beinhaltet, konnte der Rollout der virtuellen Server in sehr kurzer Zeit durchgeführt werden. Insgesamt kann der Zeitaufwand für die Anwendungsbereitstellung durch die Implementierung einer Virtualisierungslösung deutlich reduziert werden und bietet somit eine klare Verbesserung der betrieblichen Flexibilität und Reaktion.

act-online: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Sturm.

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